Artikel https://neuesgeld.net Tue, 20 Aug 2019 05:30:10 +0000 Joomla! - Open Source Content Management de-de Sternstunden der Geschichte und die Notwendigkeit einer neuen Finanzordnung https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=3:sternstunden-der-geschichte-und-die-notwendigkeit-einer-neuen-finanzordnung&Itemid=199 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=3:sternstunden-der-geschichte-und-die-notwendigkeit-einer-neuen-finanzordnung&Itemid=199

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger

Es gibt Phasen in der Geschichte, die die Historiker als Zeitenwende bezeichnen. Die Regeln, nach denen das Gemeinwesen funktioniert, ändern sich. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Die Lebensumstände der Menschen werden umgekrempelt. Auslöser kann eine Erkenntnis sein, die plötzlich überall in der Luft liegt. Es kann auch eine Erfindung, Entdeckung oder ein anderes einschneidendes Ereignis sein. Irgendetwas hat die Zeitqualität verändert. Solche Zeitenwenden bieten den Menschen die Möglichkeit, den weiteren Verlauf der Geschichte so zu gestalten, wie sie es für richtig halten. Wir erleben gerade jetzt eine solche Phase und sollten die historische Chance ergreifen, die sie uns bietet.

Vor 500 Jahren ließ sich das in allen Religionen geltende Zinsverbot kaum noch durchsetzen. War der Zins ursprünglich als Strafe für verspätete Rückzahlung geliehenen Geldes gedacht, so wurde er nach und nach als laufende Gebühr legalisiert. Schulden wurden kriminalisiert und kriminalisierten das gesellschaftliche Leben. Wer sie nicht zahlen konnte, dem wurden sie in Schuld vor Gott verwandelt und er wurde – von menschlichen Vollstreckern des göttlichen Willens – am Galgen gehängt. Vor der französischen Revolution haben sich die Verhältnisse dann umgekehrt: Die Staatsbankrotte sind jedes Mal so gelöst worden, dass alle noch im Lande befindlichen Gläubiger geköpft worden sind.

Eine Welt in Schulden getränkt

Heute nun erleben wir etwas ganz Neues: Die Welt wird gezielt in einen Schuldensumpf hineingezogen. Jaime Roldós, Präsident Ecuadors und Omar Torrijos, Präsident Panamas in den 80er Jahren weigern sich ihre Länder zu verschulden und kommen bei Flugzeugabstürzen ums Leben, die die Handschrift von Anschlägen des amerikanischen Geheimdienstes tragen. 2000 beschließt Iraks Machthaber Saddam Hussein Öl nicht mehr gegen Dollar, sondern nur noch gegen Euro zu liefern. Daraufhin wird er verdächtigt, Massenvernichtungswaffen zu haben. Das Land wird zerbombt, zerstört und von amerikanisch-britischen Truppen besetzt. 2005 wird Hussein zum Tode verurteilt und gehängt.

Um 1980 beginnt Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi mit der Erschließung eines unterirdischen Süßwassersees im Südosten seines Landes: 35.000 Kubikkilometer bestes Trinkwasser – ein 100 Meter tiefer See von der Größe Deutschlands. Er kann ganz Nordafrika 5.000 Jahre lang mit Trinkwasser versorgen. 2010 steht das mit russischen Ingenieuren verwirklichte Projekt vor der Vollendung – aus Eigenmitteln finanziert, ohne Kredite westlicher Banken. Gaddafi beschließt dann noch, libysches Öl nur noch gegen Euro und nicht Dollars zu verkaufen. 2011 beginnen von ausländischen Söldnern geschürte Aufstände. Britische, französische und amerikanische Truppen bombarideren das Land. Gaddafi wird gestürzt und ermordet.

Das ZDF hat uns Filmaufnahmen vom Aufstand gegen Gaddafi in der ostlibyschen Stadt Bengasi gezeigt: Vor Wut tobende, Fahnen schwenkende Demonstranten. Wer genau hingeschaut hat, konnte die Fahnen identifizieren: Sie waren nicht von Libyen, sondern vom arabischen Königreich Barhain. Dieser Aufstand ist von saudischen Truppen brutal niedergeschossen worden – mit aus Deutschland gelieferten Panzern. Es gab sehr viele Tote, aber kaum Berichte in westlichen Medien.

Die Gehirnwäsche, der wir mit Falschinformationen unterzogen werden, geht bei dem aktuellen Bürgerkrieg in Syrien weiter: Die ARD hat uns Bilder von Schlägertrupps gezeigt, die mit Knüppeln Demonstranten gegen das Regime von Baschār al-Assad blutig und bewusstlos schlagen. Wer ahnt schon, dass das gar keine Bilder aus Syrien sind, sondern uns viele Jahre alte Aufnahmen aus dem Irak unter amerikanisch-britischer Besatzung präsentiert worden sind. Syrien wird von China und Russland finanziert, nicht vom westlichen Bankensystem. 2001 beschließt der Iran, Öl nicht mehr gegen Dollars zu verkaufen. Damit verstößt er gegen eine seit 1971 geltende ungeschriebene Regel und wird so – wie auch Irak, Iran und Nordkorea – von George W. Bush der „Axis of Evil“ (Axe des Bösen) zugeordnet. Seitdem betreiben die angelsächsischen Mächte eine konsequente Politik der militärischen Einkreisung Irans und seiner Isolierung in der „Weltgemeinschaft“. Die USA saugen ¾ der Ersparnisse der ganzen Welt auf und finanzieren damit ihre Militärmacht. Mehr als 10.000 Milliarden Dollar sind in amerikanischen Staatsanleihen angelegt, die niemals zurückgezahlt werden, weil sie niemals zurückgezahlt werden können.

Der amerikanische Ökonom Adam P. Sharp hat den Schuldenberg der USA mit 202 Billionen Dollar errechnet – fast eine Million für jeden einzelnen Amerikaner. Es ist eine Steuer, mit der die ganze Welt die US- Militärmaschinerie finanziert. Weil amerikanische Presseagenturen die Weltmeinung steuern, erfahren wir in unseren Medien davon nichts. Auf jeden Griechen entfällt nur der lächerliche Betrag von 30.000 Euro an staatlichen Schulden. Mit Rücksicht auf Europa wird Griechenland ohne Bomben unterdrückt. Die griechische Ägäis ist möglicherweise ebenso ölreich wie Libyen. Griechenland wird nun gezwungen, seine Reichtümer zu privatisieren.

Als der griechische Ministerpräsident George Papandreou im letzten Jahr sein Volk befragen wollte, ob er sich dem Diktat der Finanzmärkte beugen sollte, war der Druck auf ihn so stark, dass er wenige Tage später zurückgetreten ist. Vielleicht ist er damit einem Flugzeugabsturz entkommen. Er hätte nicht sein Volk, sondern den Finanzsektor fragen sollen. Demokratie irritiert die Finanzmärkte. Der Euro-Rettungsschirm ESM ist deshalb auch so konstruiert, dass Wähler auch ohne Bomben dem Diktat des Finanzsektors unterworfen werden. Besser als Krieg ist das schon.

US-Präsident Abraham Lincoln wollte den Dollar – eine Privatwährung – verstaatlichen und ist ermordet worden. John F. Kennedy hatte bereits staatliche Dollars ausgegeben. Am Tag seiner Ermordung hat sein Nachfolger Lyndon B., Johnson diese Maßnahme annulliert. USPräsident Franklin D. Roosevelt hat in seiner Antrittrede 1933 gesagt: Die Kreditgeber bestimmen die Religion und als einzige Methode zur Lösung der Schuldenkrise schlagen sie noch mehr Schulden vor. Der klassische Ökonom Adam Smith hat uns den Hintergrund dieser Zusammenhänge vor 250 Jahren offenbart: Es gibt zwei Wege zur Versklavung einer Nation. Der eine ist durch das Schwert, der andere durch Schulden. An diesem Punkt stehen wir heute wieder. Der amerikanische Finanzjournalist Max Keiser bezeichnet die Finanzmogule deshalb als Papierterroristen.

Krise als Chance – Es gibt eine Lösung

Sternstunden der Geschichte sind ohne Krise kaum zu haben. Seit 500 Jahren hat die Weltherrschaft einzelner europäischer Mächte immer etwa hundert Jahre gedauert: Portugal 1450 bis 1530, Spanien 1530 – 1640, Niederlande 1640 – 1720, Frankreich 1720 – 1815, Großbritannien 1815 – 1920, USA 1920 bis – das Ende naht. Schulden zementieren die Herrschaftsverhältnisse. In der Geschichte sind weit mehr Revolten durch Schulden ausgelöst worden als durch Sklaverei oder Unterdrückung. Die Sumerer hatten für Freiheit den Begriff Amargi und das bedeutete: Frei von Schulden.

Wir stehen an einem Wendepunkt in der Geschichte. Unsere Staaten haben sich verschuldet, um die Banken zu retten und sind nun handlungsunfähig. Die Finanzindustrie hat sich die Politik unterworfen. Die Regeln der Globalisierung zerstören den Mittelstand und drücken die Einkommen der Arbeitnehmer langfristig auf Weltlohniveau – heute das Niveau in China oder Indien, in einigen Jahren sicher etwas höher, aber weit unter europäischen Maßstäben. Mit grün bedrucktem Papier (der Privatwährung Dollar) kauft der Finanzsektor die Rohstoffe, Ländereien und werthaltigen Produktionsstätten der Welt auf und unterwirft die Menschen – ganz so wie Franklin D. Roosevelt und Adam Smith es vorausgesagt haben.

Kapital vermehrt sich von selbst. Weil Kapital (oder Geld) aber nicht arbeiten kann, muss diese Vermehrung von allen Nicht-Kapitalisten – Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Realwirtschaft – erarbeitet werden. Beide werden so zu Sklaven des Finanzsektors. Aber die Lösung ist einfach: Wir brauchen einen Systemwechsel, nach dem Geld sich nicht mehr von selbst vermehren kann und Reichtum nur noch durch Arbeit entsteht:

  • Die Zentralbank steuert die Geldmenge. Geschäftsbanken verwalten die Guthaben auf ihren Girokonten im Auftrag der Zentralbank. Kredite können sie nur noch vergeben, wenn sie über entsprechende Einlagen verfügen. Das für den Wirtschaftskreislauf benötigte Geld überweist die Zentralbank direkt – und zinsfrei – an den Staat (in der Eurozone an die Staaten der Eurozone).
  • Girokonten und Bargeld werden mit einer Gebühr belastet – einem Umlaufimpuls. Bei Bargeld geschieht dies mit einem Chip oder Barcode. Die Gebühr wird von der Zentralbank so festgelegt, dass der Zins auf dem Markt um Null pendelt. So kann sich Geld nicht mehr von selbst vermehren, wird aber von der Gebühr wieder in den Kreislauf gelockt. So wie Blut das Leben des Körpers und Wasser das Leben in der Natur erhält weil es fließt, erweckt dieses fließende Geld die Wirtschaft zum Leben und schafft Reichtum dort, wo Werte geschaffen werden.
  • Bei einem Zins um Null sinken die in alle Preise hineinkalkulierten Zinsen sämtlicher Stufen der Wertschöpfungskette – heute im Durchschnitt 40 Prozent. Darüber hinaus entfallen die Zinsbelastungen öffentlicher Haushalte. Zusammen macht das die Hälfe unserer Ausgaben aus. In Preisen von heute haben wir dann die doppelte Kaufkraft. Diese Verbesserung wird vermutlich über den Arbeitsmarkt durch die Erhöhung der Arbeitseinkommen erfolgen, weil viele Menschen mit doppelter Kaufkraft lieber halb so viel arbeiten als ihren Lebensstandard zu verdoppeln. Damit ist die Umverteilung von unten nach oben gestoppt. Die Finanzordnung wird zum Fundament einer solidarischen Gesellschaft.
  • Eine Vermögenssteuer schöpft einen Teil der Vermehrung großer Vermögen ab und eine Erbschaftssteuer einen Teil großer Erbschaften. Kapitalflucht ins Ausland wird strafrechtlich geahndet. Für Angehörige von Staaten, die nicht kooperieren, wird eine Visumpflicht mit hohen Hürden eingeführt. Jegliche finanziellen Verbindungen mit solchen Staaten werden ebenfalls zum Straftatbestand – mit internationalem Haftbefehl. Bereits ins Ausland geflüchteten Inländern, die sich der inländischen Gerichtsbarkeit entziehen, wird die Staatsbürgerschaft aberkannt.
  • Weil Reichtum nur noch durch Arbeit entsteht, öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter. Wir erhalten eine ausgewogene und faire Einkommensund Vermögensverteilung, die die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Menschen spiegelt. Das ist fair
  • Spekulation kann sich allenfalls als eine Schaumkrone auf den Wellen des Meeres halten – eines Meeres von real wirtschaftenden Menschen und Unternehmen, die den Wohlstand aller erhalten und vermehren. Das ist vernünftiges Haushalten – oikos nomos, was Ökonomie auf Griechisch bedeutet.
  • Hohe Einkommensunterschiede destabilisieren nicht länger die Nachfrage. Damit gehört das Auf und Ab von Konjunkturschwankungen der Geschichte an. Die Wirtschaft entwickelt sich stetig und gleichmäßig. Das ist nicht die Lösung aller Probleme, aber das Ende des zentralen Konstruktionsfehlers unserer Finanzordnung.
  • Die neue Geld- und Finanzordnung macht plötzlich langfristige Investitionen rentabel. Das hat zur Folge, dass Unternehmen für die Zerstörung der Umwelt von den Finanzmärkten nicht mehr belohnt werden (wie es jetzt noch der Fall ist). Nachhaltiges Wirtschaften wird rentabel und setzt sich deshalb durch.
  • Kriege zur Erhaltung des Systems sind unnötig und werden deshalb auch weitgehend verschwinden. Wir können einer anhaltenden Friedensphase entgegen sehen, in der es der Menschheit gelingen kann, den wunderschönen Planeten Erde in das zu verwandeln, als das er erschaffen worden ist: Ein Paradies für zehn Milliarden Menschen.

Das Undenkbare denken!

Wer Liebe in sich trägt und sie für sich behält, lässt sie verkümmern, denn Liebe braucht das Du und erblüht im Kontakt mit anderen Menschen. Wer Wissen hat und es für sich behält, zerstört es. Wer es mit anderen teilt, vermehrt es. Wer Geld hat und es für sich behält, kann täglich zählen, wie es sich vermehrt – so wie Der Geschäftsmann von Antoine de Saint- Exupéry, aber er erntet keine Freude und kein Glück. Geld heißt im Altenglischen gilt und das gleichlautende guilt heißt heute Schuld. Wer viel Geld hat, schuldet anderen etwas. Wenn er diese Schuld aber nicht sehen will, macht er sich schuldig an denen, die dieses sein Geld erarbeitet haben.

Diese Vorschläge finden Sie in keiner Zeitung, Radio- oder Fernsehsendung. Alle Redaktionen müssen gegenüber ihren Eigentümern oder großen Inserenten vorauseilenden Gehorsam leisten und die Lösung für eine Reform unserer Geld- und Finanzordnung totschweigen, wenn sie ihren Arbeitsplatz nicht riskieren wollen. Das können wir ihnen nicht verdenken. Deshalb ist das Internet der einzige Weg, diese Ideen zu verbreiten. Nutzen Sie ihn.

Unsere heutige Geld- und Finanzordnung nützt einem Prozent der Bevölkerung und benachteiligt 99 Prozent. Auch wenn Sie zu dem einen Prozent Nutznießer gehören: Wollen Sie in einer Revolution untergehen und alles verlieren? Es ist besser, Sie unterstützen diejenigen, die eine bessere Welt erschaffen wollen.

Ich habe eine Initiative mit begründet, die den Systemwechsel vorbereitet, den ich hier vorgestellt habe: www.lust-auf-neues-geld.de. Meine Kollegen und ich kommen gern zu Ihnen, wenn Sie ein Publikum für einen Vortrag oder ein Seminar organisieren. Rufen Sie uns einfach an oder schicken Sie uns eine Email. Sie sind nicht nur verantwortlich für das, was Sie tun, sondern auch für das, was Sie nicht tun. Nutzen Sie diese Sternstunde der Geschichte und werden Sie zum Mitschöpfer einer guten Zukunft.


Danke.
Wolfgang Berger

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egal@egilos.jx (Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger) Artikel Sun, 06 Jan 2013 18:39:00 +0000
„Cash. Das Geldstück“ https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=4:cash-das-geldstueck&Itemid=199 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=4:cash-das-geldstueck&Itemid=199

Auf Einladung der Initiatoren der Bürgerbühne des Staatstheaters Dresden hielt Steffen Henke am 15. Februar 2013 vor Laienschauspielern und professionellen Künstlern ein Impulsreferat mit dem Thema: "Aktuelles Geldsystem, Zinseszins und die mögliche Alternative durch fließendes Geld". Die Teilnehmer, welche ein Theaterstück namens „Cash. Das Geldstück“

im Kontext zur Finanzkrise entwickeln wollen, holten sich für ihre Theaterarbeiten Informationen und Anregungen zu Geld, Zins und Zinseszins, exponentiellem Wachstum und fließendem Geld durch Steffen Henke, einem Finanzexperten aus Leipzig. In seiner gewohnt dynamischen Vortragsweise verstand Steffen Henke es, die theoretischen Inhalte anschaulich und gut verständlich zu präsentieren. Ein wesentliches Element war dabei die Darstellung des exponentiellen Wachstums der Verschuldung der BRD seit 1950 bis heute mit Hilfe von einem Becherturm. So verwunderte es nicht, dass die zweieinhalb Stunden Fachinformation für das Publikum wie im Flug vergingen. Da der überwiegende Teil der Zuhörer bis zu diesem Tag noch nichts oder wenig von einer konstruktiven Umlaufsicherung oder fließendem Geld erfahren hatte, wurde dieser alternative Lösungsansätz umso kontroverser hinterfragt und diskutiert. Das dieses Thema auch abseits der Bühne zum Nachdenken anregt, wurde in den danach stattfindenden Gesprächen mit dem Referenten und den Stammtisch-Möglichmachern Sebastian Werner (Dresden) und Matthias Helm (Leipzig) deutlich. Wir können auf die Uraufführung des Theaterstücks und die künstlerische Umsetzung des Themas "Cash" in der sächsischen Hauptstadt gespannt sein und werden selbstverständlich, sobald ein Termin bekannt ist, diesen in unserem Veranstaltungskalender einstellen.

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henke@neuesgeld.net (Steffen Henke) Artikel Sat, 16 Feb 2013 20:15:51 +0000
„Es herrscht Klassenkrieg und meine Klasse gewinnt“ https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=2:es-herrscht-klassenkrieg-und-meine-klasse-gewinnt&Itemid=199 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=2:es-herrscht-klassenkrieg-und-meine-klasse-gewinnt&Itemid=199

sagt Warren Buffett, einer der reichsten Milliardäre der Welt In den USA verdienen die obersten 0,1 Prozent der Bevölkerung an eineinhalb Tagen so viel wie die untersten 90 Prozent im ganzen Jahr. In Deutschland geht der Anteil der Arbeitseinkommen am Sozialprodukt seit den 1980er Jahren zurück. Geldvermögen und Schulden sind 5 Mal so stark gestiegen wie die Wirtschaftsleistung. Der Volkswirtschaftsprofessor Christian Kreiß gibt in seinem neuen Buch „Profitwahn“ einen atemberaubenden Einblick in beängstigende Zusammenhänge. Mit dem von professionellen Vermögensverwaltern betreuten Kapital wurde in 30 Jahren eine Rendite von acht Prozent erwirtschaftet. Das bedeutet, dass sich dieses Kapital in 30 Jahren

um das Neunfache vermehrt hat. Die Globalisierung hat die Kapitaleinkommen explodieren lassen, während der Druck auf die Arbeitseinkommen zugenommen hat. Das Kapital kann in Länder mit niedrigeren Löhnen ausweichen. „Ich kenne nicht alle sieben Weltwunder. Aber ich kenne das achte: den Zinseszins-Effekt“, hat der Bankier Maier Amschel Rothschild Rothschild gesagt. In Mittenwalde südöstlich von Berlin ist kürzlich ein Schuldschein vom 28. Mai 1562 aufgetaucht. Das Städtchen hatte Berlin 400 Gulden zum Zinssatz von 6 Prozent geliehen, die bis heute nicht zurückgezahlt wurden. Daraus ist inzwischen ein Betrag von mehr als 6.600 Billionen Euro geworden – das 2.600fache des deutschen Bruttosozialprodukts. Das zentrale Dogma der Ökonomie erfordert es also, dass alle drei bis vier Generationen ein großer Krieg oder Crash mit kriegsähnlichen Folgen alles zerstört, damit das Dogma erhalten bleiben kann – das Dogma, nach dem Geld sich als einziges auf der Welt exponentiell vermehren darf. Die meisten anderen Wachstums- und Entwicklungsprozesse haben einen natürlichen oder linearen Verlauf. Mitchell Innes hat schon 1913 und 1914 in zwei Aufsätzen gezeigt, dass dieses Dogma der Ökonomie falsch ist. Er ist nicht beachtet worden. Ebenso werden diejenigen unter meinen heutigen Fachkollegen, die sich ihren gesunden Menschenverstand bewahrt haben, einfach totgeschwiegen. Die Welt erlebt jetzt eine Konstellation, die ähnlich ist wie die vor dem Ersten Weltkrieg. Dabei ist die Lösung so einfach. Fast jede Zentralbank der Welt könnte sie umsetzen: Eine Umlaufgebühr auf Geld, die das Tauschmittel auf eine Stufe mit den meisten anderen Gütern stellt. Bei diesem „fließenden Geld“ wächst Reichtum nicht mehr leistungslos ins Unendliche. Reichtum entsteht nur noch durch Arbeit. Das führt zu einer Einkommens- und Vermögensverteilung, die als fair angesehen wird.

 

www.business-reframing.de

 

 

 

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egal@egilos.jx (Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger) Artikel Thu, 26 Sep 2013 06:14:25 +0000
Brakteatenzeit, ca. 1150 – 1450 (fließendes Geld im Mittelalter) https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=5:brakteatenzeit-ca-1150-1450-fliessendes-geld-im-mittelalter&Itemid=199 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=5:brakteatenzeit-ca-1150-1450-fliessendes-geld-im-mittelalter&Itemid=199

Brakteatenzeit, ca. 1150 – 1450 (fließendes Geld im Mittelalter) Der Erzbischof Wichmann von Magdeburg, der nach Fritz Schwarz im 12. Jahrhundert („Der Christ und das Geld“, Synergie Verlag, Darmstadt, Überarbeitete Neuauflage 2007, Seite 20) eines der „...rührigsten und einflussreichsten Staatsmänner der damaligen Zeit...“ gewesen sein soll, ist wesentlich für das Einführen des Verrufens von Münzgeld verantwortlich. Das Prinzip ist einfach zu erklären.

Es waren Dünnblechmünzen als Münzgeld mit einer entsprechenden Prägung im Umlauf. Ohne Vorankündigung wurden in regelmäßigen, aber nicht genau definierten Abständen, diese Münzen „verrufen“, verloren

demnach die Einsatzmöglichkeit als Zahlungsmittel. Es gibt auch Beispiele, bei denen das Verrufen in festgelegten Zeitabständen erfolgte. Aus diesem Grund war es nicht zweckdienlich, derartige Zahlungsmittel als Wertspeicher anzuhäufen, da der „Verlust“ nach dem Tausch in die neu ausgegebenen Münzen zu intensiv gewesen wäre. Ein typischer Abzug lag in der Höhe von 20 bis 25 %, man gab demnach zum Beispiel 4 oder 5 „alte“ Münzen ab, um im Tausch 3 oder 4 neue Münzen, die sofort volle Akzeptanz erlangten, zu erhalten. Fritz Schwarz (s.o., Seite 21) schreibt hierzu: „Mit seinen regelmäßigen Verrufungen wurden die Geldbesitzer veranlasst, das Geld im ständigen Umlauf zu erhalten. So wurde gekauft, gearbeitet, gespart, nicht nur in Geldforderungen, sondern auch in besseren Dingen.“ Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Methode des Münzverrufens ein wesentlicher, wenn nicht sogar der wesentliche Fakt für die wahrlich positive wirtschaftliche Entwicklung dieser Zeit gewesen sein muss. Es ist festzustellen, dass die Blütezeiten von Regionen immer mit einem funktionierenden Geldwesen korrelieren. So ist ein intaktes Tauschmittel keine hinreichende Bedingung erfolgreichem Wirtschaftens, aber bestimmt eine notwendige!

Kritiker dieser Verfahrensweise bezeichnen das Verrufen von Münzen als eine andere Art der Inflation. Im klassischen Fall der Inflation verliert das Geld beständig an Kaufkraft. Es wird über verschiedene Mechanismen die Geldmenge ausgeweitet, wächst die Menge der Zahlungsmittel schneller als die Waren- und Dienstleistungsmenge, bei gleichbleibender Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, steigen die Preise. Würde man nun Geld dem Kreislauf entziehen und es sich unter das viel zitierte Kopfkissen legen, hieße das, man nimmt den Nachteil in Kauf, für die gehorteten Mittel später bei Einsatz entsprechend weniger Waren oder Dienstleistungen eintauschen zu können. Absolut die gleiche Wirkungsweise tritt auf, wenn sich durch Verrufen die Anzahl der verfügbaren Münzen bei gleichbleibenden Preisen reduziert. Gern wird von den Kritikern und Vertretern einer Zinswirtschaft hochgerechnet, nach welchem Zeitfenster bei einer angenommenen Verrufungsfrequenz der Tauschwert des Zahlungsmittels bei so ziemlich null angekommen sei. Diese Argumentationskette wird zu Grunde gelegt, um die Sinnigkeit des konstruktiv umlaufgesicherten Geldes in Frage zu stellen bzw. die Unbrauchbarkeit dieser Alternative zu belegen. Doch es verhält sich wie beim Turniertanz. Die Schritte können stimmen, die Tänzer sind in wunderschönen Stoffen gekleidet, die leidenschaftliche Ausstrahlung ist entzückend, doch die Bewegungen erfolgen außer Takt. Die halbe Wahrheit ist die gefährlichste Lüge, heißt es zu treffend. Der Tanz erreicht sofort die ersehnte Qualität, wenn die Körper in den Rhythmus der Musik finden. Die Lösung in der modernen Finanzwelt ist leicht zu erreichen, da im strengen Sinne die „Verrufung“ im Wesentlichen nur die „Motivation“ darstellt, Geld nicht zu horten. In übertragener Bedeutung wäre das Verrufen das Installieren einer konstruktiven Umlaufsicherungsgebühr auf Geld (fließendes Geld). Der Kern besteht nun darin, dass genau diese deutlich reduziert oder ganz erspart werden kann, wenn das ungenutzte Geld zur Bank gebracht wird, damit diese den Betrag über Darlehen anderen Wirtschaftsteilnehmern zur Verfügung stellen kann. Die Höhe der Reduzierung der Nutzungsgebühr korreliert mit der Laufzeitlänge, für die das Geld der Bank überlassen wird. Je länger man auf das Nutzen des Betrages selbst verzichtet, desto höher die Ersparnis der Gebühr. Bei mittelfristigen Anlagelaufzeiten fällt die Gebühr auf null. Man ist also leicht in der Lage, bei einem alternativen System Gelder zurückzulegen, ohne das Geringste an Kaufkraft bei konstanten Preisen zu verlieren.

 

Bild: Helmut Creuz Nr. 087 a

 

Diejenigen, die ihre monatlichen Einnahmen vollständig zum Leben benötigen, sind von einer Nutzungsgebühr kaum berührt, da sie ihr Geld jeden Monat für das Notwendige ausgeben. Für ein alternatives Geldwesen im 21. Jahrhundert ist die Inflationskritik deshalb gegenstandslos.

Entscheidend ist, dass im aktuellen System die Guthabenszinsen in den Schuldzinsen enthalten sind. Schuldzinsen zahlen alle. Die Schuldzinsen der Industrie sind in den Waren- und Dienstleistungen enthalten. Wenn Sie konsumieren, bedienen Sie anteilig diese Schuldzinsen. Die Schuldzinsen des Staates entrichten Sie ständig, wenn Sie Steuern zahlen. Und für die Schuldzinsen der Darlehen, die Sie selbst aufgenommen haben, sind Sie ebenfalls zuständig. 9 von 10 Menschen zahlen lebenslang durch diesen Mechanismus immer mehr Schuldzinsen, als sie je in der Lage sind, Guthabenszinsen zu generieren. Wird dank einer Nutzungsgebühr auf Zahlungsmittel der Guthabenszins gegen 0 geführt, reduzieren sich an allen Stellen die Darlehenskosten genau um diesen Betrag. Die freie Liquidität der meisten Menschen würde sich spürbar erhöhen. Doch auch die Zinsgewinner können für ein derartiges Geldsystem stimmen.

Fließendes Geld nimmt der Wirtschaft den Wachstumszwang, da Guthaben und Schulden durch den fehlenden Zinseszinseffekt nicht mehr exponentiell wachsen. Auf diese Weise sind wir erst in der Lage, im notwendigen Umfang nachhaltig zu wirtschaften und damit Mensch, Tier und Natur zu schützen. Zinsgewinner atmen dieselbe Luft, schwimmen in denselben Meeren und spazieren in derselben Natur. Zum Lebensglück gehören eine gesunde Umwelt und funktionale soziale Strukturen. Deshalb können alle Menschen für fließendes Geld stimmen. Doch der Leser, der noch nicht allzu viel über die Brakteatenzeit gelesen hat, wird sich an dieser Stelle wundern Wenn hier die Überzeugungen vertreten werden, dass die Zirkulation des Geldes bestens gelang und sich hieraus reger Handel ergab, der dem Arbeitenden nur dienlich war, diese Methode dennoch wieder aufgegeben wurde. Wie konnte nur ein derartiger Fehler zur Umsetzung gelangen? Die Antwort ist in der menschlichen Gier zu finden. Der Schlagschatz (Anteil der bei Verrufen des Geldes einbehaltenen Münzen) war eine verlockende Einnahme des im Besitz des Prägerechts befindlichen Fürsten. Und so missbrauchten hemmungslose Landesherren ihre Münzgewalt und erhöhten die Häufigkeit des Verrufens des Geldes mit dem primitiven Ziel, sich die harte Arbeitsleistung ihrer Abhängigen auf niederträchtige Art und Weise anzueignen. Hieraus lässt sich ableiten, dass eine demokratische Kontrolle der Geld ausgebenden, öffentlich rechtlichen Instanz zwingend notwendig ist. Unter dieser Voraussetzung bleibt der Allgemeinheit der Nutzen des fließenden Geldes uneingeschränkt erhalten.

 

 

 

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henke@neuesgeld.net (Steffen Henke) Artikel Mon, 14 Oct 2013 07:10:12 +0000
Griechenland mit fließendem Geld sanieren und den Euro als fließendes Geld retten? – Teil 1 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=239:griechenland-mit-fliessendem-geld-sanieren-und-den-euro-als-fliessendes-geld-retten&Itemid=199 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=239:griechenland-mit-fliessendem-geld-sanieren-und-den-euro-als-fliessendes-geld-retten&Itemid=199

– Einleitung –



Von Wolfgang Berger, www.lust-auf-neues-geld.de , 29.09.2011



Alle – auch die, die Santorini, Kreta oder Rhodos in traumhafter Erinnerung haben – reden über Griechenland. Auch wer nicht darüber redet sorgt sich: Wie machen wir es richtig?

Ich habe den Göttervater Zeus befragt: Pandora, die erste Frau nach der griechischen Mythologie, ist von berauschender Schönheit und holdseligem Liebreiz. Zeus hat ihr einen großen, irdenen Vorratskrug für Wein, Öl und Getreide gegeben. Diesen „píthos“ (πίθος, lateinisch: dōlium) hat Erasmus von Rotterdam in seiner Übersetzung ins Lateinische wohl versehentlich in eine „pyxís“ (πυξίς, lateinisch: vāsculum) – eine „Büchse“ verwandelt. Seitdem reden wir von der Büchse der Pandora – aber es war ein Krug.

Pandora soll den Menschen diesen Krug mit der Auflage schenken, ihn unter keinen Umständen zu öffnen. Aber wie das so ist mit unserer Neugier: Noch bevor Pandora zur verführenden Eva des Alten Testaments wird, öffnen die Menschen den Krug und alle Plagen kommen über die Welt.

In unseren Tagen lassen die Untertanen von Despoten ihr Kerkerdasein nicht mehr bieten und auch die Bürger von vermeintlich demokratischen Staaten rebellieren gegen Fremdbestimmung. Macht zerbröckelt allenthalben. Täuschungen und Lügen fliegen auf, Geheimnisse werden enttarnt. Immer mehr Menschen schauen hinter die Kulissen. Dieser Prozess, der sich weltweit anbahnt, wird sehr bald schon das in den Schatten stellen, was wir 1989 mit dem Fall der Mauer erlebt haben.

Ich möchte Ihnen meiner Sicht einige Zusammenhänge zu drei Fragen darlegen:

  1. Welche Plage aus Pandoras Krug hat unsere Finanz- und Wirtschaftsordnung verseucht?
  2. Was können wir tun, um die Plage dieser falschen Lehre wieder in Pandoras Krug zu versenken?
  3. Wie kann eine Ordnung ohne diese Plagen aussehen – eine Ordnung, die dem Leben dient?


Jede dieser Abhandlungen ist ein Kapitel einer zusammenhängenden Argumentationskette, die Sie alle auf dieser Website finden. Am Schluss gibt es dann noch ein Fazit.


Griechenland mit fließendem Geld sanieren
den Euro als fließendes Geld retten
– Teil 1: Welche Plage aus Pandoras Krug hat unsere Finanz- und Wirtschaftsordnung verseucht? –


Von Wolfgang Berger, www.lust-auf-neues-geld.de , 29.09.2011

 

 

Seit drei Jahren erleben wir, dass die Gewinne der Banken Privatsache sind und z. B. John Paulson ein persönliches Jahreseinkommen von fünf Milliarden Dollar ermöglichen – kalendertäglich das Jahreseinkommen von Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank. Die Zahl der Milliardäre weltweit hat sich im letzten Jahrzehnt von 200 auf 1.000 verfünffacht. Für Verluste und Nebenwirkungen aber haften wir alle, weil die Staaten dafür aufkommen müssen. Im letzten Jahrzehnt sind die Nettoarbeitseinkommen in Deutschland gesunken. Die Arbeitsnehmer in den Vereinigten Staaten haben schon seit dreißig Jahren keine Erhöhung ihres Realeinkommens mehr bekommen.

Das ist kein Zufall und keine naturgesetzliche Notwendigkeit, sondern die logische Folge der unser Zeitalter beherrschenden Ideologie. Für die ist vor allem ein inzwischen verstorbener Nobelpreisträger verantwortlich. In seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Ökonomie sprach Milton Friedman 1976 davon, dass seine Disziplin eine präzise Wissenschaft sei – genauso wie die Naturwissenschaften – und dass die Schlüsse dieser reinen Lehre, die er pure economics nannte sich mit gleicher mathematischer Präzision aus einer Zielfunktion ableiten ließen.

Es gebe einen stabilen und komfortablen Zustand – ein „makroökonomisches Gleichgewicht“ – wenn eine gegebene Verteilung nicht geändert werden kann, ohne dass einer der Beteiligten schlechter gestellt werde. Und dieses Gleichgewicht sei das „soziale Optimum“.

Die von Friedman maßgeblich mitgeprägte neoklassische Wirtschaftstheorie weist mit Hilfe eines anspruchsvollen mathematischen Apparats nach, dass eine optimale Zuteilung verfügbarer Produktionsfaktoren dieses Allgemeine Gleichgewicht bewirkt und dass die Optimierung voraussetzt, dass drei wirtschaftspolitische Stoßrichtungen gleichzeitig konsequent verfolgt werden:

a Privatisierung:
Nur private Eigentümer wirtschaften gut und erschaffen Wohlstand.
Daraus folgt der Auftrag an die Politik „ Kapitalismus pur“.

bDeregulierung:
Nur unkontrollierte Märkte gleichen Angebot und Nachfrage aus.
Daraus folgt der Auftrag an die Politik „Marktwirtschaft pur“.

cRückbau des Staates:
Nur Eigenverantwortung und Eigeninitiative bringen Fortschritt.
Daraus folgt der Auftrag an die Politik „Wettbewerb pur“.


Nach Friedmans Lehre erfüllt der Unternehmer seine soziale Verantwortung, indem er Gewinn erzielt. Je höher sein Gewinn, desto größer sein Beitrag zum „sozialen Optimum“. Wer sein Eigeninteresse konsequent verfolgt, nütze damit automatisch auch der Allgemeinheit am meisten.

Und wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte – z.B. Konjunkturkrisen, Arbeitslosigkeit, Wachstumsschwäche, Inflation – dann nur deshalb, weil noch nicht alles Kapital in privaten Händen ist, weil der Markt noch nicht wirklich frei ist oder weil sich noch immer Leute in „staatlichen Hängematten“ sonnen.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wurde dieses Credo der Ökonomen mit „Freiheit“ gleichgesetzt und weltweit an 90 % der Universitäten gelehrt. Die ökonomische Fakultät der Universität in Chicago, an der Friedman lehrte, ist zum Wallfahrtsort für Studenten der Volkswirtschaftslehre aus allen Kontinenten geworden.

Friedmans Schüler sitzen auf den höchst dotierten Lehrstühlen, sind Minister und Berater von Regierungen in aller Welt, Führungskräfte bei der Weltbank und beim Internationalen Währungsfonds. Er selbst beeindruckte und beriet viele Präsidenten und Regierungschefs – unter ihnen Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Augusto José Ramón Pinochet.

Ziel seines Kreuzzugs für den freien Markt war es, weltweit Druck für Reformen zu schaffen („create irresistible pressure for change“), um vollständige Privatisierung und radikale Deregulierung durchzusetzen, und um staatliche Funktionen wenigstens so weit zurückzubauen, dass keinerlei Sozialpolitik mehr betrieben werden kann. Mit einer Fülle brillanter wissenschaftlicher Fachveröffentlichungen untermauerte er seine Forderungen.

Und so geschah es:
Ein Kapitalismus pur hat weltweit Staatseigentum privatisiert.
Eine Marktwirtschaft pur hat die Grenzen für Importe geöffnet und ist dabei, einheimische Arbeitseinkommen auf „Weltlohnniveau“ zu drücken.
Ein Wettbewerb pur hat den Staat kastriert, der immer weniger eingreifen und sozialen Ausgleich schaffen kann.

Herrschende Ideen wirken sich immer sehr konkret aus:

Die Physiokraten sahen im Boden den einzigen produktiven Faktor und ordnen ihm den gesamten Ertrag zu. Adel und Geistlichkeit waren zufrieden, die Leibeigenschaft war nicht nur rechtens, sondern auch „wissenschaftlich“ als richtig bestätigt.

Die Marxisten sahen in der Arbeit den einzigen produktiven Faktor, ordnen ihr den gesamten Ertrag zu und enteignen die Besitzenden. Die kommunistischen Funktionäre oder Arbeiterführer waren zufrieden, konnten sie doch nun mit „wissenschaftlichem“ Segen den Ertrag zuteilen.

Die Neoliberalen sahen im Kapital den entscheidenden produktiven Faktor. Und weil es knapp ist, müssen freie Finanzmärkte es dahin lenken, wo es den größten Nutzen
stiftet. Das setzt weltweit nicht regulierte Kapitalbewegungen ohne jede Einschränkung voraus. Für Kapital und Investitionen darf es keine Grenzen geben. Dass die Grenzen für die Opfer – die Menschen – dann geschlossen werden müssen, ist evolutionäre Auslese.

Vor zehn Jahren haben die deutschen Großbanken der damaligen rot-grünen Bundesregierung gedroht, ihre Zentralen nach London zu verlegen, wenn der Finanzmarkt nicht auch hier liberalisiert werde. Die Regierung hat dem Druck nachgegeben. Wir können uns in diese Zeit zurückversetzen und uns ausmalen, was geschehen wäre, wenn die Regierung dem Druck widerstanden hätte und die Banken ausgewandert wären. Die Medien hätten zum Sturm auf Berlin geblasen, die Regierung wäre darüber gestürzt und die Entscheidung revidiert worden.

Nach der 2008er Krise plant die schweizerische Regierung jetzt in 2011 eine schärfere Regulierung des Finanzmarkts. Nach dem Vorbild der großen deutschen Banken damals hat auch die größte Bank der Schweiz UBS damit gedroht nach London auszuwandern, sollten die Pläne der Regierung umgesetzt werden.

Seit dem Wegfall der Kapitalverkehrskontrollen hat das Kapital die Möglichkeit zur Flucht – oder auch zur Erpressung, wenn ein Staat sich weigert, seine Forderungen zu erfüllen. Seitdem erobert die Finanz-„industrie“ ganze Nationen und die Finanzmärkte beherrschen die Welt. Unsere reale Industrie entwickelt und produziert technischen Fortschritt. Die Finanz-„industrie“ aber entwickelt oder produziert nichts, was irgendjemandem das Leben erleichtert. Im Gegenteil: sie vernichtet Arbeitsplätze, Ersparnisse, Altersversorgungen, Ausbildungshoffnungen, Lebenschancen, ja Leben und vermehrt Not, Verzweiflung und Hunger auf der Welt.

Der weltweite Handel mit seltsamen, für die Realwirtschaft nutzlosen Wertpapieren hat inzwischen ein Volumen von mehr als 600.000 Milliarden Dollar im Jahr erreicht – das Zehnfache des Bruttoinlandsproduktes der ganzen Erde.

Solange die Regeln dieses Spiels bleiben wie sie sind, sind die Finanzinstitutionen, die diese Papiere herausgeben und mit ihnen handeln, allmächtig: sie können die Welt jederzeit in den Abgrund zu stürzen – oder zumindest damit drohen und so erzwingen, was immer ihnen in den Sinn kommt.

Im Sommer 2007 war auf den Finanzmärkten zu spüren, dass die bisherigen Geschäftsmodelle gegen die Wand fahren. Da hat das Bankhaus Goldman Sachs Agrarrohstoffe als Spekulationsobjekt eingeführt und damit seit 2008 eine Preisexplosion bei Nahrungsmitteln ausgelöst. Der Reispreis hat sich verdreifacht, der Weizenpreis verfünffacht – ausgerechnet in 2008, dem Jahr mit der besten Weizenernte in der Menschheitsgeschichte.

Wer von zwei Dollar pro Tag leben muss, gibt 60 bis 80 Prozent seines Ein¬kommens für Nahrungsmittel aus¬. Solche Preisstei¬gerungen sind für viele ein Todesurteil. Jean Ziegler spricht von „stillem Massen¬mord“. Wenn Weizen eher Waffe als Ware ist, erscheint es zufällig, wenn nach vielen komplizierten Geschäf¬ten am Schluss noch etwas Essbares übrig bleibt.

In jeder Stunde fordert unser globales Finanzsystem etwa 1.500 Menschenopfer – Hungertote! Das ist entpersonalisierte Kriegsführung: Der Techniker, der Drohnen auf den Weg schickt oder der Pilot, der aus 15.000 m Höhe Bomben abwirft, muss die Zerstörung, die er auslöst, nicht sehen. Der Fondsmanager, der durch feindliche Übernahmen solide Unternehmen zerschlägt (Hochtief ist das letzte große Beispiel in Deutschland), gewachsene Kunden- und Lieferantenbeziehungen kappt und die Existenzgrundlage von Tausenden von Menschen zerstört, sieht das Elend, das er auslöst, auch nicht.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hat von sich gesagt: „Ich bin ein Banker, der Gottes Werk verrichtet“. Für 40 Milliarden Dollar hat er nicht werthaltige Hypothekenpapiere verkauft – vornehmlich an die größte Versicherungsgesellschaft der Welt AIG – sich gleichzeitig gegen die Insolvenz der AIG versichert und auf den Zusammenbruch des Hypothekenmarktes gewettet. Als Kongressabgeordnete ihm das in einer Anhörung als verbrecherisch vorgehalten haben, meinte er bloß: „Im Zusammenhang mit Marketingoptimierung ist das kein Verbrechen.“ Und sein Kollege von der Citibank sekundierte mit: „Wir müssen tanzen, solange die Musik spielt“.

Handel mit Finanzprodukten bringt mehr ein als Beratung. Die Huffington Post in Norfolk, Virginia, berichtet von einem konkreten Beispiel dieser „Filiale Gottes“: Somalische Piraten haben gezielt Schiffe attackiert, die Goldman Sachs bereits „shorted“ (auf deren Verlust gewettet) hatte und sind dafür mit Goldmünzen vergütet worden.

Die Wirklichkeit unseres Gemeinwesens hat sich von dem, was wir unter Demokratie verstehen weit entfernt. Unsere Parlamente schreiben Blankoschecks für die Brüsseler Gesellschaft grauer Herren und unsere Regenten sehen das Volk als den „großen Lümmel“, wie Heinrich Heine es ausgedrückt hat.

Die Wirklichkeit hat sich auch vom Modellglauben der Ökonomen weit entfernt. Als einer der Wirtschaftsnobelpreisträger in den letzten Jahren einmal gefragt worden ist, warum die Modelle der Ökonomen offensichtlich falsch seien, hat er geantwortet: Die Modelle sind richtig, die Wirklichkeit ist falsch.

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egal@egilos.jx (Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger) Artikel Thu, 03 Oct 2013 09:58:33 +0000
Griechenland mit fließendem Geld sanieren den Euro als fließendes Geld retten – Teil 2 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=240:griechenland-mit-fliessendem-geld-sanieren-den-euro-als-fliessendes-geld-retten-teil-2&Itemid=199 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=240:griechenland-mit-fliessendem-geld-sanieren-den-euro-als-fliessendes-geld-retten-teil-2&Itemid=199

Griechenland mit fließendem Geld sanieren
den Euro als fließendes Geld retten
– Teil 2: Was können wir tun, um die Plage, die das veruracht, wieder in Pandoras Krug zu versenken? –


Von Wolfgang Berger, www.lust-auf-neues-geld.de , 29.09.2011

 

Wenn eine Maschine nicht funktioniert, verbessern Ingenieure ihre Konstruktion. Wenn unsere Geld- und Finanzordnung Ergebnisse produziert, die uns nicht gefallen, läge es nahe, dass die Ökonomen sie neu konstruieren.

Nun hat Max Planck aber schon darauf hingewiesen, dass eine neue wissenschaftliche Erkenntnis sich nicht durchsetzt, weil die Vertreter der veralteten Lehrmeinung überzeugt werden, sondern erst nachdem sie ausgestorben sind. Vielleicht lesen ja auch Nichtökonomen diesen Text und denen möchte ich ein Geheimnis verraten, das kein prominenter Vertreter meines Faches kennt:

Der Nobelpreisträger George Joseph Stigler, der Ökonom

Steve Keen und der Mathematiker Jürgen Kremer haben nachgewiesen, dass die neoklassischen Schlüsse der „reinen Lehre“, die Ich in Teil 1 beschrieben habe, auf einem mathematischen Ableitungsfehler beruhen. Die Lehrbücher der Mikroökonomik lehren, dass vollständiger Wettbewerb zu maximaler Wohlfahrt führt, dass die optimalen Produktionsmengen diejenigen sind, bei denen „Grenzkosten = Marktpreise“ sind.

Diese Lehrbuchweisheit ist falsch. Wettbewerb pur maximiert den Wohlstand nicht. Nach der Korrektur des mathematischen Ableitungsfehlers kehren sich die Aussagen der Theorie in ihr Gegenteil um. Damit bleibt von der neoliberalen Theorie nichts von Substanz übrig. Mathematikstudenten lernen das.

Die volkswirtschaftlichen Lehrbücher aber nehmen diesen Fehler einfach nicht zur Kenntnis. Würden sie es tun, müssten fast alle Wirtschaftspolitikberater auf der Welt ihre Jobs kündigen. Sie würden wohl nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt wie Giordano Bruno. Vielleicht aber müssten sie vor der Inquisition widerrufen wie Galileo Galilei, damit die Machtverhältnisse bleiben können, wie sie sind.

Ein Spezialzweig der Philosophie ist die Wissenschaftstheorie, die sich mit den Gesetzen und Regeln bei der Produktion von Wissen beschäftigt. Ein bedeutender Wissenschaftstheoretiker des letzten Jahrhunderts war Thomas Kuhn. Er hat mit den Instrumenten der formalen Logik nachgewiesen, dass jede Wissenschaft auf Paradigmen aufbaut – auf Grundüberzeugungen, die derjenige, der die Wissenschaft betreiben will, erst einmal glauben muss.

Das Paradigma der Ökonomen, das sie den Politikern der ganzen Welt einflüstern, ist eingängig: T.I.N.A. – There is No Alternative (es gibt keine Alternative). Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus denkt kaum jemand über Alternativen zu unserer Geld- und Finanzordnung nach.

Nun hat es aber vor der Zeit des Kommunismus Alternativen gegeben, welche die Zunftvertreter der Ökonomie ausblenden oder nur noch für dogmengeschichtlich interessant halten. Viele Beispiele weisen uns auf deren Relevanz auch für uns heute hin.

So verfügte die Hanse zu Lübeck im Jahre 1417: „Niemand soll Hering verkaufen, ehe er gefangen, Korn, ehe es gewachsen, Gewand, ehe es gemacht.“ Und die Amsterdamer Börse hat mit einem „Plakat“ (= Dekret) vom 26. Februar 1610 verboten, Aktien zu verkaufen, die gar nicht im eigene Besitz sind. Das Verbot ist schon damals umgangen worden.

1949 verkaufte Alfred Winslow Jones Aktien, die er noch gar nicht hatte. Es ist der erste überlieferte „Leerverkauf“ in der Neuzeit. Das Spiel wird perfektioniert und erlaubt es sowohl bei fallenden als auch bei steigenden Kursen Gewinne zu realisieren.

Fonds, die sich auf solche spekulativen Geschäfte spezialisieren, nennen sich „Hedge Funds“. Der Begriff ist mit Bedacht gewählt und nimmt Bezug auf das Privatisierungsgebot der neoliberalen Doktrin:

In früheren Jahrhunderten werden Grund und Boden, Gewässer und Bodenschätze, Heiden und Moore, Wald und Wege al(ge)meinde – Allmende – von allen Gemeindemitgliedern gemeinschaftlich genutzt. Eine erste Welle der Privatisierung hat Europa vor einem halben Jahrtausend überrollt. Weltliche und kirchliche Herrscher eignen sich die Allmende an und markieren ihren Besitzanspruch mit Hecken (Hedges). Die schreckliche Not und Verelendung der Opfer hat zu den Bauernkriegen geführt.

Die Verhältnisse haben sich nur wenig geändert. Nach einem Bericht der englischen Zeitung The Guardian hat Futures Trader Ann Berg aus London vor kurzem gemeint: „Was für einen Armen das tägliche Brot, ist für einen Reichen eine verbriefte Geldanlage“. Wie funktionieren solche Anlagen?

In der Schule haben wir gelernt, was eine Exponentialfunktion ist, und trotzdem sehen die meisten nicht, was das praktisch bedeutet: Die Verdoppelung in einem bestimmten Zeitraum, dessen Dauer von der Höhe des Zinses abhängt. Damit Sie es sich vorstellen können:

Wenn Sie ein Blatt Ihrer heutigen Zeitung falten, haben Sie zwei Lagen. Mit jedem weiteren Faltvorgang verdoppelt sich die Zahl der Papierlagen: nach zwei Mal sind es vier, nach sechs Mal 64, nach zehn Mal 1.024, nach 42 Mal entspricht das schon der Entfernung von der Erde zum Mond. Statt Ihre Zeitung zu falten, können Sie auch jedes Mal den Stapel der 500-Euro-Scheine verdoppeln. Auch dann reicht der Stapel bis zum Mond. Das ist die eine Seite der Medaille.

Und nun zur anderen Seite: Die sich exponentiell erhöhenden Geldvermögen werden verzinst. Sie können aber nur verzinst werden, wenn es Schuldner gibt, die die Zinsen zahlen. Das ist der umgekehrte Stapel von 500-Euro-Schuldscheinen, die in ein Erdloch gepackt werden müssten, das den Planeten durchbohrt.

Die exponentiell steigende Verschuldung von irgendjemandem ist systembedingt notwendig. Wenn Privatleute oder Unternehmen das nicht übernehmen wollen oder können, müssen es die öffentlichen Haushalte tun. Sollten die sich weigern, bricht das System zusammen. Nur wenige sind sich darüber im Klaren: Eine sich exponentiell wachsende Verschuldung ist für den Bestand unseres Geld- und Finanzsystems notwendig.

Als Bill Clinton den Bundeshaushalt der Vereinigten Staaten ausgeglichen hatte, hat der damalige Notenbankchef Alan Greenspan ihn dafür heftig kritisiert. Er hat zu bedenken gegeben, dass die großen Fonds nicht mehr wüssten, wo sie ihr Geld anlegen sollten, wenn der Staat sich nicht mehr verschuldet. Von Alan Greenspan abgesehen sehen nur wenige diesen einfachen Zusammenhang.

John Perkins belegt es konkret mit Namen und Jahreszahlen: Staats- oder Regierungschefs, die sich dem Erfordernis des globalisierten Finanzkapitals widersetzen, die sich weigern, ihre Länder zu verschulden, kommen in Flugzeugabstürzen ums Leben, deren Ursache nie aufgeklärt wird. Manchmal fallen auch Bomben.

In jeder reifen Volkswirtschaft übersteigt das Angebot die Nachfrage. Jede Ausweitung der Produktion verschärft die Situation. Die Welt schwimmt in Kapital, es herrscht Anlagenotstand, die großen Vermögen verlangen nach rentabler Verwertung.

Wenn auch Staatshaushalte zur Aufnahme weiterer Schulden nicht mehr zur Verfügung stehen, ermöglichen bei gesättigten Märkten allein Rüstungsgüter ein weiteres Wachstum. Kriege vergrößern das Warenangebot auf zivilen volkswirtschaftlichen Märkten nicht, sie führen nicht zur Bedarfsdeckung und drücken somit nicht die Zinsen. Eine reduzierte Produktion ziviler Güter befriedigt den Bedarf an Konsum- und Investitionsgütern nur unzurei-chend und dieser Mangel erhält die Rentabilität des Kapitals.

Die Kundenzeitschrift „Sparkasse“ des deutschen Sparkassenverbandes weist im Jahre 1891 auf diesen Zusammenhang hin: „Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, dass die besonders rentablen Capitalanlagen großen Maßstabes heute er-schöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben… Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Capitalzerstörung, welche er bedeutet“.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist seit 1950 stetig in absolut etwa gleicher Höhe – also linear – gewachsen. Das bedeutet, dass in einer reifen Volkswirtschaft die Wachstumsrate abnimmt. 15 von 100 sind 15 Prozent, fünfzig Jahre später sind 15 von 1.000 dann aber nur noch 1,5 Prozent.

Solange die Wachstumsrate über dem Zinssatz lag, konnte das darüber hinaus erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt zwischen den Tarifparteien verteilt werden. Sobald der Zuwachs aber unter dem Zinssatz liegt, muss der Fehlbetrag Arbeitnehmern und Arbeitgebern – also denen, die ihn erarbeiten – weggenommen werden. Deshalb musste der Anteil der Arbeitseinkommen am Bruttoinlandsprodukt trotz eines stetigen Wachstums im letzten Jahrzehnt um 10 Prozent fallen.

Viele träumen von einer stabilen Welt. Die aber kann es im gegenwärtigen System nicht geben. Ein System stellt sich nicht selbst in Frage, es erzwingt eher den Tod von Menschen und den Zusammenbruch von Staaten. Von 1970 bis 2005 ist die Weltproduktion realer Güter und Dienstleistungen um das Vierfache gewachsen, das Weltfinanzvermögen aber hat sich um das Zwölffache vergrößert. Der Finanzsektor verschlingt quasi die gesamte reale, Werte erschaffende Wirtschaft.

Führer ohne Kreativität schaffen immer wieder tote Institutionen, die das System erhalten. Aber jetzt ist etwas anders. Die Welt, in der wir leben, wird gerade komplett umgekrempelt. Nichts bleibt, wie es war, kein Stein bleibt auf dem anderen. Darin steckt eine große Chance für jeden, der sich persönlich in Resonanz mit den globalen Veränderungen entwickelt und sich durch sie tragen lässt.

Wir können diese Plagen, die unsere Geld- und Finanzordnung uns aufbürdet nur dann im Krug der Pandora versenken, wenn wir unser System umbauen. Tun wir das nicht, entsteht ein revolutionäres gesellschaftliches Gebräu. Einen Vorgeschmack darauf haben wir in England, Griechenland und Spanien schon bekommen. Revolutionen haben aber die Situation nie verbessert. Ein Umbau ist für alle angenehmer – vor allem auch für diejenigen, die sich am meisten dagegen wehren.

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egal@egilos.jx (Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger) Artikel Thu, 03 Oct 2013 09:58:33 +0000
Griechenland mit fließendem Geld sanieren den Euro als fließendes Geld retten – Teil 3 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=241:griechenland-mit-fliessendem-geld-sanieren-den-euro-als-fliessendes-geld-retten-teil-3&Itemid=199 https://neuesgeld.net/index.php?option=com_k2&view=item&id=241:griechenland-mit-fliessendem-geld-sanieren-den-euro-als-fliessendes-geld-retten-teil-3&Itemid=199

Griechenland mit fließendem Geld sanieren
den Euro als fließendes Geld retten
– Teil 3: Wie sieht eine Ordnung ohne diese Plagen aus, eine Ordnung, die dem Leben dient? –


Von Wolfgang Berger, www.lust-auf-neues-geld.de , 29.09.2011

 

In der kaufmännischen Buchhaltung kennen wir das Instrument der Abschreibung. Nach etwa 15 Jahren müssen wir die meisten unserer Anlagen, unseres materiellen Besitzes erneuern, weil die Vergänglichkeit einen Teil davon aufgezehrt hat: er ist veraltet, verrostet, reparaturanfällig, renovierungsbedürftig, technisch überholt, unmodern. Die Abschreibung verteilt den Werteverzehr über die Zeit, wird in die Preise einkalkuliert und bereitet so die Finanzierung von Ersatzinvestitionen vor.


Der Eigner von Finanzmitteln behält dieses „meiste“ unseres materiellen Besitzes in ungeschmälerter Höhe und bekommt zusätzlich noch einen Kapitalertrag – Dividende auf Eigenkapital, Zinsen auf Fremdkapital. Damit entfernt er sich in doppelter Geschwindigkeit von den Unternehmern und Arbeitnehmern, die diese Werte mit ihrer Arbeit erschaffen.

Im heutigen System ist der Zins absolut notwendig. Wenn er niedrig ist, brauchen wir

außerdem noch Inflation, um die gewünschte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu bekommen. Praktisch alle Notenbanken der Welt produzieren absichtlich Inflation. Zins und Inflation machen das Risiko, das mit jeder Anlage von Geldvermögen verbunden ist, zumutbar, denn wir haben gesehen: auch Banken können insolvent werden. Der Zins ist Systembestandteil und er hat Nebenwirkungen, die deshalb auch Systembestandteil sind – schreckliche Nebenwirkungen.

Alte Sprichwörter sagen uns, worauf es ankommt: „Der Rubel muss rollen“ oder „Taler, Taler, du musst wandern, von der einen Hand zur andern“. Geld erfüllt seine Funktion nur, wenn es reibungslos umläuft – also fließt – und in dem Maße vermehrt wird, in dem auch die reale Wirtschaft wächst: linear, nicht exponentiell.

Geld schafft Wohlstand, sobald es zinsfrei fließt. Es ist bemerkenswert, dass alle Religionen den Zins verbieten. Während die Römische Kirche das Tötungsverbot recht flexibel ausgelegt hat, war sie beim Zinsverbot bis in die 80er Jahre unerbittlich. Aber ich bin zu sehr Ökonom, um an Verbote zu glauben. Es gibt eine wirksamere Methode:

Die Zentralbank kann die Rahmenbedingungen für die Geschäftsbanken neu festlegen und von Girokonten monatlich Gebühr von z. B. einem halben Prozent abbuchen lassen. Bei Terminanlagen kann sich der Satz auf bis zu einem viertel Prozent reduzieren und bei langfristigen Investitionen ganz entfallen.

Bargeld gibt es entweder nur in Form von Geldkarten und mit dem Mobiltelefon können wir im Online Banking Gutschriften entgegennehmen. Oder aber in die Geldscheine werden Chips eingebaut, die die monatlich fällige Gebühr jedes Mal anzeigen, wenn der Schein im Prüfgerät der Bank oder des Einzelhändlers auf seine Gültigkeit überprüft wird. Dann muss die Gebühr bezahlt werden und das Gerät aktualisiert den Schein. Oder aber bestimmte Geldscheine werden nach dem Zufallsprinzip zu bestimmten Stichtagen für ungültig erklärt.

Wenn auf dem Finanzmarkt noch ein Zins gezahlt wird, erhöht die Zentralbank die Gebühr geringfügig, bis der Marktzins Null ist. Wird der Marktzins negativ, reduziert die Zentralbank die Gebühr, bis der Zins wieder Null wird. In Verbindung mit dieser Feinsteuerung kann die Zentralbank den Geldwert durch die Steuerung der Geldmenge stabil – die Inflation also auf exakt Null – halten.

Geldwertstabilität macht finanzielle Dispositionen langfristig berechenbar und bietet Sicherheit für Vorsorgemaßnahmen aller Art. Unternehmen können sich – gegen Sicherheiten wie heute – zinslos Kredite beschaffen und das löst einen beispiellosen Investitionsschub aus. Die öffentlichen Haushalte vermeiden langfristig den heute zweithöchsten Budgetposten – den Schuldendienst – und können in Infrastruktur investieren.

Die großartigste Konsequenz dieses fließenden Geldes aber ist, dass unsere Arbeitseinkommen erheblich anwachsen: Jedes Produkt, das wir kaufen, hat viele Verarbeitungsstufen in der Wertschöpfungskette hinter sich. In jeder dieser Stufen sind Investitionen erforderlich, die finanziert werden müssen und immer gehen diese Investitionen mit ihren Zinsen in die Kalkulation und damit in den Preis ein.

Wenn wir die Zinsanteile in der Kalkulation aus allen Wertschöpfungsstufen zusammenzählen, erhalten wir den Zinsanteil im Endprodukt. Im Durchschnitt aller Endpreise kommen wir dabei auf ungefähr vierzig Prozent. Bei Getränken ist es weniger (etwa dreißig Prozent), bei Mieten und Immobilienkäufen mehr (fünfundsiebzig bis achtzig Prozent).

Wenn wir zusätzlich berücksichtigen, dass der Schuldendienst der zweithöchste Posten im Bundeshaushalt und der höchste in den meisten Kommunal- und Länderhaushalten ist (und also auch in unserer Steuerlast), kommen wir mit der Mehrwertsteuer auf einen durchschnittlichen Zinsanteil in den Preisen in Höhe von ungefähr fünfzig Prozent. Auch wer schuldenfrei ist, zahlt also ungefähr die Hälfte von jedem ausgegebenen Euro für Zinsen. Nach einer Übergangszeit finanzieren Unternehmen ihre Investitionen zinsfrei und der Staat nimmt – wenn er es noch will – bei seinen Bürgern zinsfrei Kredite auf.

Ein großer Teil der Anpassung an die neuen Rahmenbedingungen wird wohl über höhere Löhne und Gehälter erfolgen. Das bedeutet, dass die Umverteilung von unten nach oben über die Zinsanteile in den Preisen beendet ist und die arbeitende Bevölkerung zum heutigen Preisniveau die doppelte Kaufkraft hat.

Viele sind mit ihrem heutigen Lebensstandard zufrieden, wenn er durch langfristig stabile Verhältnisse abgesichert ist. Sie brauchen nicht die doppelte Kaufkraft und arbeiten lieber nur halb so lang. Wenn die Zahl derer so groß ist wie die Zahl der Arbeitslosen, ist das Problem unfreiwilliger Arbeitslosigkeit und auch prekärer Beschäftigungsverhältnisse statistisch gelöst.

Viele, die mit ihrem heutigen Lebensstandard zufrieden sind, werden dann nur noch halbtags arbeiten wollen. Das Angebot an Arbeitsleistung sinkt, so dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter besser bezahlen müssen, um sie zu halten. Einkommen aus leistungsloser Vermögensvermehrung gibt es nicht mehr. Reichtum kann nur noch durch Arbeit erschaffen werden, Geld vermehrt sich nicht mehr „von selbst“ – und das heißt ja schließlich: durch die Arbeit von anderen.

Jetzt noch zahlt jemand, der monatlich 3.000 Euro netto verdient und ausgibt, davon ungefähr 1.500 Euro Zinsen. Wenn er auf frühere Ersparnisse monatlich 1.500 Euro Zinsen kassiert, ist noch immer nichts gewonnen, und um monatlich 1.500 Euro (im Jahr 18.000 Euro) Zinsen zu bekommen, müssen Sie zum gegenwärtigen Ausgabesatz von deutschen Bundesschatzbriefen etwa eine Million Euro angelegt haben.

Nur sehr wenige haben so hohe Ersparnisse. Die Verlierer unseres heutigen Systems machen weit mehr als 90 Prozent der Bevölkerung aus und von ihnen (also von „unten“) gibt es eine ständige Umverteilung nach „oben“ – zu den wenigen Gewinnern, deren Zinseinkünfte die Zinsausgaben deutlich übersteigen.

Alle, deren Zinseinkünfte niedriger sind als die Arbeitseinkommen, verlieren. Nur die kleine Minderheit, die mehr durch Zinsen einnimmt als sie durch Arbeit verdient, gehört zu den Gewinnern. Der zunehmende Reichtum dieser wenigen wird von der großen Mehrheit erarbeitet, die dafür in Deutschland seit zehn Jahren netto einen immer geringeren Anteil am Bruttoinlandsprodukt erhält. Aber diese große Mehrheit weht sich nicht gegen diese Ungerechtigkeit und das aus einem einfachen Grunde: Sie weiß es nicht und versteht das System nicht.

Im frühen Mitteleuropa, etwa von 1150 bis 1450 hat es in ganz Mitteleuropa dieses fließende Geld gegeben, das ich propagiere. Die Münzen der damaligen Zeit – sie hießen Brakteaten – waren aus dünnem Blech, dem das Konterfei des jeweiligen Fürsten und die Jahreszahl ihrer Gültigkeit aufgeprägt waren. Am Ende des Jahres mussten sie gegen die im neuen Jahr gültigen Münzen umgetauscht werden. Bei diesem Umtausch behielt der Herrscher zwanzig Prozent ein. Das war die einzige Steuer, mit der er den Staatshaushalt finanzierte, Schlösser baute, Bedienstete bezahlte und das Militär unterhielt.

Die reichen mittelständischen Unternehmer dieser Zeit waren Handwerksmeister, und sie waren wenig geneigt, mit dem „Schlagsatz“ (so hieß das damals, was wir heute Demurrage nennen) das Luxusleben ihres Herrschers zu finanzieren. Und so investierten sie ihr Geld in ihr eigenes Luxusleben: prachtvolle Fachwerkhäuser, die wir heute noch in unseren mittelalterlichen Städten bewundern können.

Nach der Bauzeit für ein solches Haus (ich schätze, es waren um die zehn Jahre) haben sie weiter viel Geld verdient, mit dem sie den Fürsten nicht unterstützen wollten. Was konnten sie damit anfangen? Mietshäuser gab es damals nicht, nur Häuser für den eigenen Bedarf. Und so spendeten sie es der Kirche, in der Erwartung nicht nur hier auf Erden, sondern auch hernach im Himmel alles für die Seligkeit getan zu haben. Die Kirche wurde reich und baute mit diesem Reichtum die eindrucksvollen Dome und Kathedralen, die wir an vielen Orten in Mitteleuropa bestaunen können.

In diesen drei Jahrhunderten sind aus ärmlichen Fischerdörfern rund um die Nord- und Ostsee reiche Hansestädte geworden. Und es waren dreihundert Jahre ohne Krieg. Der Geschichtsunterricht zu meiner Schulzeit hat diese friedlichen Jahrhunderte übersprungen. Da ist nichts passiert und Geschichtsunterricht war Kriegsberichterstattung.

Nun könnten wir meinen, die Menschen müssten sich kaputt gearbeitet haben, um dies alles zu erschaffen. Ja, sie waren fleißig – wir sind es ja heute auch. Aber sie hatten neben dem Sonntag am „blauen Montag“ frei. Darüber hinaus gab es über hundert kirchliche Feiertage. Die Reichtümer dieser Epoche sind mit einer Wochenarbeitszeit von vielleicht dreißig Stunden erschaffen worden.

Der Kulturhistoriker Egon Friedell hat das Leben an den arbeitsfreien Tagen beschrieben: mit Tanz und Gesang, mit Troubadouren und Geschichtenerzählern, mit Fress- und Saufgelagen. Er hat die üppigen Wein-, Met- und Speisekarten ausführlich zitiert, da läuft einem heute noch das Wasser im Munde zusammen.

Die Phase der Hochkultur ging zu Ende, weil die Fürsten gierig geworden waren: Sie haben die Demurrage von zwanzig auf dreißig und mehr Prozent erhöht und die Münzen dann nicht mehr für ein ganzes, sondern nur noch für ein halbes Jahr ausgegeben. Ein solches Geld war nutzlos, die Leute haben es nicht mehr angenommen und sind zum Tauschhandel zurückgekehrt. Das war schwierig und der Handel ist eingebrochen.

Das Volk hat „richtiges Geld“ verlangt – Edelmetall – und es auch bekommen. Der Joachimsthaler (später Thaler) aus den Silberbergwerken im böhmischen Joachimsthal wurde geprägt, dessen Wert seinem Metallwert entsprach. Es gab auch Goldmünzen, bei denen der Prägestempel den Materialwert bestätigte. Dieses Geld behielt jeder gern. Es war werthaltig, brauchte nicht mehr ausgegeben zu werden und wurde gern „auf die hohe Kante“ gelegt – die oberen Balken in den Fachwerkhäusern, ein sicheres Versteck.

So ist die Wirtschaft vollends zusammengebrochen. Die folgenden Hungersnöte haben Kriege ausgelöst, in denen die Herrscher die Ernte der Nachbarn zu erobern versuchten. Es folgte die düstere Phase des Mittelalters, die unser Bild dieser Zeit geprägt hat:

Die rothaarigen Frauen galten als Hexen, die an dem Elend schuld schienen, sie wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Ketzer wegen hatte Gott offenbar seinen Schutz aufgekündigt, sie wurden gerädert – in Holzfässer gesteckt, in die von außen lange Nägel getrieben waren und darin den Berg heruntergerollt. Die Pest brach aus, die einen großen Teil der Bevölkerung hinwegraffte und der dreißigjährige Krieg, in dem alles zerstört wurde.


Wir können diese Plagen in dem Krug der Pandora versenken und ein System mit fließendem Gelde auch heute haben. Die Konsequenzen sind:

    1. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich nicht noch weiter, sondern schließt sich sehr langsam wieder. Wir erhalten nach und nach eine ausgewogene Einkommens- und Vermögensverteilung, die die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Menschen spiegelt. Das ist fair.

    2. Spekulation kann sich allenfalls als eine Schaumkrone auf den Wellen des Meeres halten – eines Meeres von real wirtschaftenden Menschen und Unternehmen, die den Reichtum erhalten und vermehren, von dem alle Menschen profitieren wollen. Das ist vernünftiges Haushalten (oikos nomos, was Ökonomie auf Griechisch bedeutet).

    3. Hohe Einkommensunterschiede destabilisieren nicht länger die Nachfrage. Damit gehört das Auf und Ab von Konjunkturschwankungen der Geschichte an. Die Wirtschaft entwickelt sich stetig und gleichmäßig.

    4. Die neue Geld- und Finanzordnung macht plötzlich langfristige Investitionen rentabel. Das hat zur Folge, dass Unternehmen für die Zerstörung der Umwelt von den Finanzmärkten nicht mehr belohnt werden (wie es jetzt noch der Fall ist). Nachhaltiges Wirtschaften lohnt sich und setzt sich deshalb durch.

    5. Kriege zur Erhaltung des „Systems“ sind unnötig und werden deshalb auch weitgehend verschwinden. Wir können einer anhaltenden Friedenphase entgegen sehen, in der es der Menschheit gelingen kann, den wunderschönen Planeten Erde in das zu verwandeln, als das er erschaffen worden ist: Ein Paradies für zehn Milliarden Menschen.

 

 


Griechenland mit fließendem Geld sanieren
und den Euro als fließendes Geld retten
– Fazit: Das Neun-Punkte-Programm zur Rettung Griechenlands und ganz Europas –


Von Wolfgang Berger, www.lust-auf-neues-geld.de , 29.09.2011

 

Die Griechenland von der internationalen „Troika“ aus EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationalem Währungsfonds aufgezwungenen Sparmaßnahmen werden das bewirken, was der Reichskanzler Brüning mit ähnliche Maßnahmen im Deutschen Reich bewirkt hat: Den totalen Kollaps.


Der Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone würde den Euro sprengen, dessen größter Nutznießer Deutschland ist. Weil es unter den großen Währungen keine solide Anlagealternative gibt, wären die Folgen einer derart dramatischen Aufwertung für Deutschland fatal.

Der Internationale Währungsfonds hat Alarm geschlagen: Müssten unsere Banken die Wertverluste von „Euro-Wackelkandidaten“ in ihren Bilanzen berücksichtigen, würde ihre Kapitaldecke um 300 Milliarden Euro schrumpfen, obwohl die Banken mit der „Fair Value Bilanzierung“ bereits die Möglichkeit haben, Anleger und Öffentlichkeit legal zu betrügen.

Im Frühjahr 2010 hat Frau Merkel aus innenpolitischen Gründen (vor den Wahlen in Nordrhein-Westfalen) den fatalen Satz gesagt, dass Griechenland ruhig pleite gehen könne. Seitdem führen „die Märkte“ die Politiker am Nasenring durch die Manege. Rechnen wir doch einmal nüchtern:

Griechenland ist wirtschaftliche so groß wie Sachsen oder Rheinland-Pfalz. Wir hätten es locker und viel kostengünstiger in den innerdeutschen Finanzausgleich integrieren können. Griechenlands Anteil am Bruttoinlandsprodukt der Eurozone ist zweieinhalb Prozent. Eurobonds, die an Stelle von Anleihen einzelner Länder von allen Eurostaaten gemeinsam ausgegeben werden, wären damals eine extrem günstige Alternative gewesen:

Die deutsche Zinsbelastung hätte sich um weniger als drei Prozent erhöht. Bezogen auf die damalige Zinsbelastung von 2,4 Prozent (heute sind es nur noch 1,8 Prozent) wäre die Zinsbelastung dann theoretisch 2,46 Prozent gewesen. Diese Mehrbelastung ist absolut lächerlich gegenüber den gewaltigen und wirkungslosen „Rettungsmaßnahmen“, die jetzt die Eurozone zu sprengen drohen.

Wir sollten auch bedenken, dass Goldman Sachs Griechenland beizeiten als Sprengsatz in die Eurozone hineingeschmuggelt hat: Gegen ein Beratungshonorar von 300.000 Dollar und einen Milliardenkredit haben sie der damaligen griechischen Regierung geholfen, die Statistiken so geschickt zu fälschen, dass die Kriterien für den Eintritt in den Euroclub erfüllt waren. Die Eurokraten in Brüssel haben das perfide Spiel nicht durchschaut.

Jetzt wird Griechenland mit einer öffentlichen Pro-Kopf-Verschuldung weit unter der Pro-Kopf-Verschuldung der Vereinigten Staaten benutzt, um den Euro zu sprengen und damit den Dollar als Weltleitwährung zu erhalten. So können die Finanzzentren in der New Yorker Wall Street und in der City of London weiterhin mit diesem grün bedruckte Papier der Rest der Welt aufzukaufen und den Nutzen dieses Eigentums mit militärischer Allmacht abzusichern.

Von den USA, China und vielleicht Indien abgesehen, müssen sich Einzelstaaten jetzt unterordnen. Das Bankhaus Goldman Sachs, das seinen Mitarbeitern ein durchschnittliches Jahresgehalt von über einer halben Million Dollar zahlt (inklusive Pförtnern, Telefonistinnen und Schreibkräften) beherrscht die Welt und auch die Politik in Europa. Unsere Politiker haben sich zu seinen Dienern degradieren lassen.

Griechenland – ja ganz Europa – wäre jetzt mit fließendem Geld zu retten. Dazu ein Neun-Punkte-Programm:

  • Griechenland wird für drei Jahre EU–Sonderwirtschaftszone.
  • In dieser Zone wird der Hellas-Euro (H€) mit den Merkmalen fließenden Geldes eingeführt: Banknoten sind identisch, haben aber nur griechische Schriftzeichen und sind mit einem Chip versehen.
  • Griechische Guthaben (Bürger und juristische Personen) in der EU und alle Guthaben in Griechenland werden in Hellas-Euro umgeschrieben.
  • Die Europäische Zentralbank belastet Guthaben in Hellas-Euro mit einer monatlichen Demurrage von einem halben Prozent.
  • Die Demurrage wird von den Geschäftsbanken eingezogen und von der Zentralbank an den griechischen Staatshaushalt weitergeleitet.
  • Der Kapitalverkehr in Hellas-Euro wird reguliert, Transfers aus der Eurozone heraus sind für die Dauer von drei Jahren genehmigungspflichtig.
  • Die griechischen Staatsschulden werden für drei Jahre eingefroren und weder verzinst noch getilgt.
  • Das in Griechenland laufende Programm zur Privatisierung öffentlichen Eigentums wird für drei Jahre ausgesetzt.
  • Griechenland verpflichtet sich zu einer tiefgreifenden Reform seiner öffentlichen Verwaltung und unterwirft sich dabei der Federführung durch die EU und die Europäische Zentralbank.


Die Demurrage wird den Geldumlauf verstetigen, den Konsum anregen und die wirtschaftliche Entwicklung in Griechenland fördern. Nach drei Jahren wird sich das Land stabilisiert haben und seine Verpflichtungen erfüllen können.

Vielleicht ist das Programm so erfolgreich, dass es dann auf die gesamte Eurozone übertragen werden kann. Dann könnte der Euro Weltleitwährung werden. Europa könnte sich nach dem Vorbild Islands eine kreative und radikale Verfassung geben, die auch so beginnt, wie der Entwurf für dieses kleine nordatlantische Volk: „Wir, die Völker Europas, wollen eine gerechte Gesellschaft schaffen.“

Das Gewinnstreben kann ich in der Realwirtschaft entfalten – ganz so wie in den 50er und 60er Jahren in Westdeutschland – und die unselige Finanzakrobatik kann schlicht verboten werden.

„Sobald die Minderheit ihr ganzes Gewicht einsetzt, wird sie unwider¬stehlich“, hat Henry David Thoreau geschrieben. Ich lade Sie ein, dabei zu sein.

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egal@egilos.jx (Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger) Artikel Thu, 03 Oct 2013 09:58:33 +0000